Montag 11 Dezember 2017

Unter allen Ortsteilen, die heute zur Marktgemeinde Roßtal zählen, hatte Oedenreuth in seiner Geschichte wohl die geringste Bindung zum heutigen Kernort.

Der Ort, der im Laufe seiner Geschichte den Namen wechselte, hieß bis etwa 1700 Kleinreuth, aber auch Ebenreuth und war bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts ein Lehen, das vom Hochstift Bamberg vergeben wurde.

Obgleich der Pfarrei St. Laurentius in Roßtal zugehörig, wurde von den wenigen Einwohnern dort kein Zehnt für den Unterhalt der Kirche gefordert.

In den Registern, angefangen von einem der letzten katholischen Geistlichen hier, dem „Leutpriester“ Johannes Neff und weitergeführt auch nach der Reformation, wird Oedenreuth nur einmal genannt und zwar bei der Anlegung einer Zehntaufstellung im Jahre 1482. Pfarrer Neff schrieb: „Kleinreuth, dasselbstens hat der Pfarrer nichts als ein Bauer gibt dem Vicario auf das Capital 6 Heller.“ (Q 1)

Auch die rechtliche Zuständigkeit war unterschiedlich. Klein-Rewt, das zum burggräflichen Amte Roßtal zählte, war dem markgräflichen Richter in Roßtal nur in Fällen schwerer Rechtsverletzungen unterstellt; minder schwere Vergehen ahndete der Lehensinhaber am Ort und der Lehenspropst in Bamberg.

Aktenkundig ist ein Vorgang aus dem Jahre 1781, als der Roßtaler Richter wegen des Verdachts eines Obstdiebstahls den Amtsknecht nach Oedenreuth beorderte, um dort eine Hausdurchsuchung vornehmen zu lassen.

Der damalige Lehensinhaber Christoph Jakob Kreß von Kressenstein berichtete schon einen Tag später dem Lehenspropst in Bamberg von diesem rechtlichen Übergriff und dem Roßtaler Richter Johann Samuel Model ging unverzüglich von Bamberg ein Schreiben zu, in dem gegen „unnachbarlich und widerrechtliches Zudringen feierlichst protestiert“ wurde. (L 1)

Die Matrikelbücher der Pfarrei sind wenig ergiebig bei der Ermittlung der vom Bischof in Bamberg mit dem Gut Oedenreuth belehnten Familien.

Das liegt nicht allein daran, daß im 30jährigen Krieg gerade der Teil der Unterlagen verlorenging, der hätte Auskunft geben können; es ist vielmehr auch so, daß nicht alle Besitzer auch in Oedenreuth lebten und somit weder Geburten noch Sterbefälle aufgezeichnet wurden.

Der erste Name eines Leheninhabers ist einem Inventarverzeichnis über die Ausstattung der Pfarrei zu entnehmen. In dieser Aufzählung ist ein heute noch vorhandener Kelch beschrieben, der folgende Gravur trägt: „Georg Engelhard Rogenbach auf der Oedenreuth 30. Oktober 1618 um 4 Uhr vormittags geboren von Peter Engelhard Dietherr aus der heiligen Tauf gehoben worden, stiftet diesen Kelch in Gotteshaus zu Roßstall zum Gedächtnis den 20. Marty 1659“. (Q 2) Da das Taufbuch aus dieser Zeit fehlt, sind die Eltern dieses Georg Engelhard hier nicht nachweisbar.

Familiengeschichtliche Nachforschungen ergaben, daß der genannte Täufling der Sohn des Jobst Heinrich von Roggenbach und seiner Ehefrau Barbara, einer geborenen Kötzler von Reichelsdorf ist. Einem Hinweis in der unter (Q 8) aufgeführten Quelle zufolge, kann geschlossen werden, daß Jobst Heinrich von Roggenbach, der Pfleger zu Gräfenberg und Doos war, im Jahre 1616 mit dem Gut Oedenreuth belehnt wurde. Er starb 1658 und wurde im Chor der Kirche zu Gräfenberg beigesetzt.

Dort in Gräfenberg schloß der im Jahre 1618 in Roßtal getaufte Georg Engelhard von Roggenbach am 4. August 1651 die Ehe mit Elisabeth Rosina, deren Nachname nicht vermerkt ist. (Q 3) Die Familie lebte auf dem Gut Oedenreuth.

In den Taufbüchern der Pfarrei Roßtal sind drei Kinder des Ehepaares aufgeführt, wobei der im Jahre 1653 geborene Georg Carl, als der Älteste, nach dem Tode des Vaters im Jahre 1680, die Mutter starb bereits 1675, das Lehen in Oedenreuth übernahm.

Von den insgesamt sieben Kindern in zwei Ehen des Georg Carl von Roggenbach überlebte kein Sohn. Die letzte in Roßtal eingetragenen Taufe eines Mädchens war im Jahre 1692. (Q 4) Wenig später muß Georg Carl Roggenbach auf Oedenreuth entweder verstorben sein, im Sterbebuch der Pfarrei allerdings nicht vermerkt, oder auf sein Lehen verzichtet haben.

Die Kenntnis vom Freiwerden des Herrensitzes ist einem Zufallsfund in den Akten zu verdanken. (Q 5) Es ist nicht bekannt, ob es allgemein der Brauch war, daß Lehensinhaber mit der Übertragung eines Besitzes auch das Recht erwarben, in den Kirchen ihre Wappen anzubringen. Aus einem Briefwechsel des Roßtaler Pfarrers Johann Georg Vogtherr (1674 - 1697) mit dem Dekan Conrad Maier in Langenzenn, an den er sich in seiner Not wandte, schilderte er diesem, daß ein Herr von Roggenbach, der Vorname ist leider nicht erwähnt, „sich sehr graviert zeige“, daß das Familienwappen aus der Kirche entfernt werden sollte. Der Dekan wies den Pfarrer an, daß dies erforderlich sei und geschehen müsse und daß die Entfernung durch den Messner oder Heiligenpfleger erfolgen soll.

Als Nächstfolgender erhielt Johann Christoph von Lemp, wie in einem Salbuch des freiadeligen Sitzes zu Roßstall aus dem Jahre 1700 vermerkt ist, das Lehen. Von ihm existieren keine Angaben in den Matrikelbüchern der Pfarrei.

Johann Christoph von Lemp auf Oedenreuth muß im März des Jahres 1711 verstorben sein, weil die Kinder Johann Wilhelm, Septimus Andreas, Anna Margaretha, Sophia Ursula und Anna Maria nach diesem Zeitpunkt das Lehen weiterführen. (L 2)

Septimus Andreas von Lemp, der letzte der Herren von Lemp auf Oedenreuth, von den o. g. Geschwistern ist nichts bekannt, starb unverheiratet im Alter von 44 Jahren am 18. März 1738 in Oedenreuth.

Der Eintrag des Pfarrers im Sterbebuch ist ausführlicher gehalten. Neben einem Hinweis auf ein inneres Leiden des Verschiedenen berichtet er, daß die Beerdigung „bey großer Frequenz“ am 25. März 1738 um 6 Uhr früh im Chor der Laurentiuskirche stattfand.

Die eine Kirchenrechnung zeigt (Q 7) gab es allerdings Probleme bezüglich der Ruhestätte des letzten Namensträger derer von Lemp. Die markgräfliche Verwaltung wollte einer Bestattung in der Kirche nur dann zustimmen, wenn „eine hinlängliche Stiftung zum Heyligen (Kirchenvermögen) von 50 Thalern bis 100 Gulden entrichtet werde“.

Die von Lemp'schen Erben, die nicht in Oedenreuth ansässig waren, wollten wegen dieser Forderung eine Bestattung im Friedhof und beauftragten den Notar Schüz aus Nürnberg eine Grabstätte im Roßtaler Friedhof auszusuchen. Das Standesbewußtsein der adeligen Familien, auch hier am Ort, mag den Sinneswandel bewirkt haben, daß die Erben schließlich doch 50 Gulden für einen Grabplatz in der Kirche stifteten.

Septimus Andreas von Lemp auf Oedenreuth fand somit seine Ruhestätte im Chor der Pfarrkirche „nächst der Thüre der Sacristey vormals die Gruft derer von Roggenbach“.

Der Pfarrer vermerkte weiter im Sterbebuch: „... mit ihm starb zugleich der Lemp'sche Stamm aus und fiel das Edenreuther Guth an das Bisthum Bamberg anheim.“ Das Verhalten der Erben läßt darauf schließen, daß es um die finanzielle Lage des Verstorbenen nicht besonders gut gestanden haben muß. Er hat offenbar mit einem größeren Kostenaufwand eine Reihe von baulichen Veränderungen und Verbesserungen am Oedenreuther Besitz vornehmen lassen, weil die Erben eine „Refundierung der in dieß Gut verwendeten Baukosten“ forderten.

Nach mehr als zwei Jahren Vakanz erhält das Gut einen neuen Herrn.

Im Jahre 1741 übergibt der Bamberger Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn, ein baufreudiger Bischof, in dessen Amtszeit von 1729 - 1746 mehr als 150 Kirchen neu errichtet oder barockisiert wurden, „seinem Getreuen Balthasar Christoph Kreß zu Nürnberg“, Oedenreuth als Zinslehen und dabei ist der Besitz wie folgt aufgeführt: Ein Herrenhaus, ein Gesindehaus, Roß- und Rinderstallungen, ein Gärtnerhäuslein und zwei Stadeln.

Aus dem Zinslehen müssen, wie das Lehensverzeichnis vermerkt (Q 8a), Teile des Gutes bereits im Jahre 1754 vom Hochstift Bamberg an die Familie Kreß von Kressenstein verkauft worden sein. Ein weiterer Hinweis auf eine Akte im gleichen Verzeichnis läßt erkennen, daß im Jahre 1826 das Gut insgesamt in das Eigentum des Ulrich Kreß von Kressenstein überging. (Q 8b)

40 Jahre später, im Jahre 1866, die Ablösung von Lehen und die Aufhebung der Grundlasten war bereits vor rd. 20 Jahren in Bayern durchgeführt worden, werden Teile des umfangreichen Besitzes bereits wieder veräußert und im Jahre 1867/68 erwirbt der „Hofgärtner“ Georg Weiß aus Oedenreuth, wie ein Grundbuchauszug zeigt, das Wohnhaus mit Hofraum, die gemeinschaftliche Einfahrt, den „großen Garten“, den „Würzgarten“ und den „kleinen Wald“. Der Besitz, der im Laufe der Zeit eine Reihe von Veränderungen erfuhr, blieb in der Familie Weiß und in der Erbfolge übernahmen Georg Leonhard Weiß, Georg Wolfgang Weiß, Johann Weiß, Georg Weiß und schließlich der heutige Eigentümer Hans Weiß das vom Vorfahren, dem „Hofgärtner“ Georg Weiß und seiner Ehefrau Sophia Barbara, erworbene Gut.

Heute zeugt vom letzten adeligen Eigentümer des bambergisch-bischöflichen Lehens in Oedenreuth nur noch der Name der Gastwirtschaft „Kressenhof“.

Quelle: Markt Roßtal


 

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